#WTF2020

Weiß-Sein kritisch betrachten & solidarische Handlungsmöglichkeiten

Samstag 8.8.'20 10:00 - 13:00 Uhr

Der Mord an Georg Floyd (einem Schwarzen Mann) in den USA durch einen weißen (1) Polizisten hat Debatte über Anti-Rassismus und rassistische Polizeigewalt international neu entfacht. In den letzten Wochen fand in der weißen Mehrheitsgesellschaft eine Art rassismuskritisches Erwachen statt. Bei Solidaritätsbekundungen und Demonstrationen wollen wir aber nicht bleiben. Deshalb müssen wir uns folgende Fragen stellen: Wo fängt Solidarität an und welche Verantwortung tragen privilegierte Menschen in einem ungerechten und tödlichen System?
In diesem Workshop wollen wir uns die Mechanismen des Weiß-Seins als gesellschaftlich konstruierte Dominanz-Position anschauen. Wir werden besprechen, wie man aus einer weißen Position heraus solidarisch handeln kann. Im interaktiven Workshop wollen wir uns mit Basis-Wissen der rassismuskritischen Theorie auseinandersetzen und uns die Wirkungsweise von Racial Profiling (2) anschauen. Wir werden uns zudem an Rassismus-Fälle heran tasten, um gemeinsam konkrete Handlungsmöglichkeiten auszuarbeiten.

Der Workshop richtet sich an weiße Menschen.

Der Workshop wird geteam von Phuong Ha Nguyen.

(1) weiß
weiß ist, im Gegensatz zu Benennungen wie Schwarz, Indigen oder People of Color keine politische empowermende Sebstbeziechnung, sondern beschreibt eine dominante Position, die meist nicht benannt wird. Rassismus weist auch weißen Menschen strukturell einen bestimmten sozialen Ort zu. 
Dieser Ort ist verbunden mit Privilegien, Dominanzerfahrungen und der Erfahrung als Maßstab zur Beurteilung nicht-weißer Menschen zu gelten, ohne selbst als weiß markiert zu werden. Die Bezeichnung weiß dient dazu, diese in der Regel unmarkiert bleibende Positionierung weißer Menschen - mit ihren in der Regel für sie unsichtbaren Folgen - sichtbar zu machen. Denn Weiß-Sein ist für Personen mit weißen Privilegien meist unsichtbar.
 Um deutlich zu machen, dass weiß sein keine selbstermächtigende Selbstbezeichnung ist, schreiben wir weiß klein und kursiv, im Gegensatz zu der empowernden Selbstbezeichnung Schwarz, welche wir groß und nicht-kursiv schreiben.

(2) Racial Profiling
Mit „Racial Profiling“ wird die Methode / Praxis von Polizistinnen bezeichnet, obwohl keine spezifischen Anhaltspunkte vorliegen, jemanden anzuhalten, zu suchen, zu befragen und zu verhaften, weil sie denken, dass diese Person wegen ihres Aussehens, (vermeintlich anderer) Sprache, religiöser Symbole verdächtiger ist, als andere." "[..] Wesentlich dabei ist, dass die Betroffenen sich nicht verdächtig verhalten müssen, sondern wegen äußerlicher Merkmale von der Polizei als verdächtig interpretiert werden. Racial Profiling ist damit nicht nur als Verhalten einzelner Polizistinnen, sondern als Praxis, die institutionell im Apparat verankert und durch Gesetze legitimiert wird. Die Praxis ist sehr abstrakt und komplex, aber eine zentraler Kernpunkt nach welchem Polizistinnen ausgebildet werden und handeln.
Daher betrifft institutioneller Rassismus im Polizeiapparat die gesamte Gesellschaft und keineswegs nur die direkt davon Betroffenen. Außerdem gilt Racial Profiling verfassungswidrig und verstößt gegen den Gleichbehandlungsgrundsatz des Grundgesetzes (Art.3, Abs.3 GG).